Gysi, Lafontaine und die Namensvetter – anders
Oktober 5 2005 Categorized Under: Allgemein, TrendFokus No Commented
Gysi, Lafontaine und die Namensvetter – anders
“Lassen Sie sich verzaubern”, wirbt GYSI Chocolatier Suisse für seine Confiserie-Spezialitäten. Seit 1931 ist das Unternehmen mit Thomas Gysi in der dritten Generation und hat sich zu einem der mittelgrossen Hersteller von Schokoladespezialitäten entwickelt.
“Wir werden auch weiterhin alles daran setzen, den Wünschen und Erwartungen unserer Kunden gerecht zu werden”, ist da die Kernaussage. Neben Kundennähe, Qualität und Flexibilität setzt Gysi auf Innovationskraft: “Wir sind bestrebt, mit neuen und innovativen Produkten unsere Kunden zu begeistern. Wir greifen Trends rasch auf und setzen diese dank unserem Knowhow in neue Lösungen um.” Und was macht Gregor Gysi – ?
Zweimal das Gleiche. Auch Oskar Lafontaine hat einen Namensvetter: den Feldprediger August Lafontaine (1758-1831), von der Universität Halle mit dem Doktordiplom und vom König von Preußen mit einem Kanonikat beschenkt, gilt als ‘Schöpfer des weinerlichen Familienromans’. “Seine Werke rührten ihn selbst zum Weinen. So fruchtbar war er, dass er vergaß, was er geschrieben hatte, und seine Erfindungen … mehrfach zum zweiten Male erfand” (Goedeke). Und was macht Oskar Lafontaine – ?
Ein italienisches Sprichwort sagt: Der Kluge horcht nach der Vergangenheit, wandelt in der Gegenwart, denkt aber an die Zukunft.
Haben Gysi, Lafontaine und Kollegen nach der Vergangenheit gehorcht und denken sie an die Zukunft? Wohl kaum. Aus dem Vergleich der Weimarer Republik mit Entwicklungen in unserem Lande nach dem zweiten Weltkrieg kann man nämlich Parallelen ableiten: Die Rekonstruktion nach 1945 und die Stabilisierung nach der Währungsreform. Wenn sich denn wieder ein Vielparteiensystem etabliert, ist – wie um 1930 – eine Periode der Auflösung nicht auszuschließen.
1990 werde ich in einem Interview gefragt: “Ein Jahr vor dem 9. 11. 1989 weisen Sie auf eine Zustandsänderung hin, auf eine neue Weltsicht. Hat der Sozialismus endgültig abgewirtschaftet?” Meine Antwort:
“Dazu fällt mir ein spitzzüngiger Satz ein: Den habe ich in meiner Jugend häufig gehört. ‘Wer mit 18 kein Sozialist ist, hat kein Herz; wer mit 30 immer noch Sozialist ist, hat kein Hirn.’ !Forbes zitiert im März 1990 einige Kernsätze des Nobelpreisträgers Friedrich A. von Hayek: ‘Sozialismus hat kein Versprechen gehalten. Er ist intellektueller Hochmut. Sozialismus will etwas verwirklichen, was nicht geht. Sozialismus ist nie halb richtig, sondern immer ganz falsch’… Die sozialistische Idee ist in der Identitätskrise. Ernüchterung, Machtlosigkeit und Isolierung kennzeichnen die aussichtslose Situation des Sozialismus im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts.”
Jetzt schreiben wir 2005. 16 Jahre nach dem Mauerfall und nachdem der Sozialismus den Ostblock voll gegen die Wand gefahren hatte, träumen Gysi, Lafontaine und Kollegen sowie zu viele Wähler in den neuen Bundesländern davon, wie Hayek erkannte, ‘etwas verwirklichen zu wollen, was nicht geht’.
Wenn so also heute stark unterschiedliche materielle und ideelle Interessen aufeinander treffen, kriegt Politik K(r)ampfcharakter. Politik – griechisch politeia = Bürgerrecht – soll aber auf die Überwindung von Interessengegensätzen innerhalb der Gesellschaft eines Staatswesens ausgerichtet sein.
1997 lesen Sie im ‘TrendBild Politik und Gemeinschaft’: Das Ziel der Politik in Deutschland mit dem Blick auf 2011 muss heißen: Schaffen von realitätsnahem Optimismus … nach Imagepflege, Vermeiden von Extremen und Vereinen von Gegensätzen.
Politik kurz nach der Bundestagswahl 2005: Keine Imagepflege, kein Vermeiden von Extremen und kein Vereinen von Gegensätzen.

