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Die Stoiberitis, Stoiber, Gabriele Pauli

Januar 1 2007 Categorized Under: Fokus, TrendFokus No Commented

Die Stoiberitis

Die aktuelle Situation der CSU ist fragil, zerbrechlich. Symptom: Stoiberitis. Diagnose: Virus Pauli. Therapeuten: Günther Beckstein, Alois Glück, Joachim Herrmann, Erwin Huber, Jakob Kreidl, Peter Ramsauer, Horst Seehofer, Dagmar Wöhrl und weitere  Führungspersönlichkeiten der Partei. Jede/r mit einem anderen Therapieansatz.

Das geeignete Rezept ist – wie auch in der Medizin – nicht allein die Symptombehandlung sondern die Ursachenbehandlung. Und die Ursache ist Sessel-Kleberei. In der Nachkriegsgeschichte Deutschlands gibt’s dafür eine Reihe von Beispielen: Konrad Adenauer, Kurt Biedenkopf, Helmut Kohl, Johannes Rau, Heide Simonis, Erwin Teufel, Bernhard Vogel.

“Mein Gott, was soll aus Deutschland werden, wenn ich nicht mehr da bin?” sagte Adenauer, als er im Alter von 87 Jahren unfreiwillig abtrat. Und Heide Simonis beschäftigte nach ihrer Niederlage vor allem die Frage: “Und was wird jetzt aus mir?”

Eine ähnliche Situation sollte sich Edmund Stoiber ersparen.

Doch welche Therapie ist in der gegenwärtigen Situation tatsächlich angebracht und Erfolg versprechend? Die Medizin unterscheidet: symptomatische Therapie (richtet sich nur gegen bestimmte Krankheitserscheinungen), spezifische Therapie (gezielt auf die Krankheit abgestimmt), unspezifische Therapie (allgemein heilungsfördernde Maßnahmen) und kausale Therapie (gegen die Krankheitsursachen gerichtet).

Es macht keinen Sinn, zu versuchen, nur symptomorientiert heilen zu wollen. Angebracht ist die gegen die Ursachen gerichtete ‘kausale Therapie’.

Was ist dabei zu beachten?

Die Mehrheit der Bayern ist im Januar 2007 dagegen, dass die CSU mit Edmund Stoiber in den nächsten Landtagswahlkampf zieht. Auf die Frage, ob der bayerische Ministerpräsident auch 2008 antreten soll, antworteten in einer Forsa-Umfrage 60 Prozent der befragten Wahlberechtigten mit ‘nein’ – http://onnachrichten.t-online.de/c/10/03/15/28/10031528.html.

Mit dem Blick auf die Landtagswahlen 2008 kann für die dzt. von 60 % auf 45 % der Wählergunst abgesackte CSU folgende kausale Therapie passend sein: Stoiber tritt rechtzeitig vor der Sommerpause 2007 zurück, Beckstein wird Ministerpräsident und evtl. Seehofer wird Parteivorstand.

Bei der nächsten Klausur in Wildbad Kreuth im Januar 2008 können dann, wenn Ruhe nach der 2007er Stoiberitis eingekehrt ist, fähige Kandidaten für die Ämter des Ministerpräsidenten und Parteivorstands nominiert werden.

Das verspricht Auftrieb für die CSU.

Was man aus der ‘Stoiberitis’ lernen kann? Die Amtszeit wichtiger Mandatsträger in Bund, Ländern und Kommunen sollte begrenzt werden. Eine Wiederwahl reicht. Sonst verfestigen sich – s. a. o. Sessel-Kleberei – Machtstrukturen und Abhängigkeiten, bis es weder um die Sache noch um die Menschen geht.

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