Fokus: Steuerquote, Standortranking, nix wie weg aus D
Mai 1 2006 Categorized Under: Fokus, TrendFokus No Commented
Steuerquote
Das ZEW (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) veröffentlicht im April 2006 eine Untersuchung mit dem Resultat, dass Unternehmen in Deutschland EU-weit so hohe Steuern zahlen, wie sonst nur in Spanien.
Durchschnittlich 36 % beträgt die effektive Steuerbelastung in Deutschland, nur in Spanien liegt der Wert mit 36,1 % etwas höher.
Für die Studie hat das ZEW die so genannte ‘effektive Steuerbelastung’ gemessen. Neben den Steuersätzen wurde auch die Bemessungsgrundlage berücksichtigt. Dabei geht es nicht nur darum, wie viel vom zu versteuernden Gewinn an die Steuerbehörden geht, sondern z. B. auch, wie stark sich zuvor Abschreibungen Gewinn mindernd auswirken.
Das Steuer-Mittel aller EU-Staaten liege lt. ZEW-Studie bei nur 23,7 %, vor allem beeinflusst durch die Niedrigsteuer-Systeme der neuen EU-Staaten.
Die niedrigsten Steuern werden in folgenden Ländern erhoben:
Zypern: 9,7 %
Litauen: 12,8 %
Lettland: 14,4 %
Irland: 14,7 %
Slowenien: 16,7 %
Polen: 17,0 %
Sehr niedrige Werte haben auch:
Österreich: 23,1 %
Schweden: 24,8 %
Dänemark: 25,2 %
Die weitaus höheren Steuern sind in folgenden Ländern fällig:
Großbritannien: 28,9 %
Belgien: 29,7 %
Italien: 32,0 %
Malta: 32,8 %
Frankreich: 34,8 %
Bei durchschnittlich 36 % effektiver Steuerbelastung in Deutschland nutzen sowohl multinationale als auch größere mittelständische Unternehmen alle legalen Möglichkeiten, ihre Gewinne jenseits der deutschen Grenzen zu versteuern. Verlierer sind im Endeffekt der Standort Deutschland und der deutsche Fiskus.
“Schon 1949 kündigt Konrad Adenauer eine umfassende Steuerreform an. Ergebnis: Null. Und alle weiteren Versuche von Kommissionen und Experten, das Steuerrecht zu reformieren und zu vereinfachen, scheiterten in den letzten 55 Jahren.” Das ist schon im Februar 2004 Inhalt vom TrendFokus: www.trendfokus.de/gbi > Februar 2004.
Absurd in Deutschland: Rund 170 Bundesgesetze und zehntausende von Verordnungen komplizieren das (Steuer)-System. Und der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck legt im April 2006 noch einmal nach. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins ‘FOCUS’ fordert Beck höhere Steuern für Firmen und Großverdiener. Damit weicht er von der politischen Linie der großen Koalition ab, die an einer Reform arbeitet, mit der zum 1. Januar 2008 Unternehmen steuerlich entlastet werden sollen.
Wo bleibt das einfache, klare und bürokratiearme (Steuer)-Reformpaket? Schade um die lupenreinen Steuerreformmodelle der CDU-Männer Gunnar Uldall und Friedrich Merz.
Standortranking
Die Bertelsmann Stiftung vergleicht im April 2006 Wirtschaftswachstum und Beschäftigung der 21 führenden Wirtschaftsnationen. Resultat: Trotz aktuell positiver Stimmung liegt Deutschland weiterhin auf dem letzten Platz. Der deutsche Punktwert beim Standortranking ist im Vergleich zum Herbst 2005 erneut leicht gesunken.
Vor allem auch das im internationalen Vergleich mit rund 30.000 EURO geringe Pro-Kopf-Einkommen habe das deutsche Ergebnis heruntergezogen. In 15 der 21 untersuchten Staaten sei dieser Wert teils um bis zu 50 % höher als in Deutschland, so die Aussage der Bertelsmann Stiftung.
Nix wie weg aus D
Bereits 1999 ist das Fazit meiner Trendstudie Politik: Abwandern von Betrieben, anhaltender Frust besonders mittelständischer Unternehmer und Kapitalflucht. Die WirtschaftsWoche titelt Ende Juli 2001: DEUTSCHLAND NEIN DANKE. Jedes Jahr wandern 700.000 Menschen aus. Ein Aderlass für die deutsche Wirtschaft: www.trendfokus.de/gbi > TrendBild 2011 Politik und Gemeinschaft auf Seite 15 der Trefferliste.
dpa bestätigt im April 2006: “Immer mehr Fach- und Führungskräfte kehren Deutschland den Rücken. Ein Hauch von Abenteuer und bessere Arbeitsmarktsituationen locken die Deutschen ins Ausland.”
“Deutschland läuft Gefahr, in der Konkurrenz um die besten Köpfe bald auf der Verliererseite zu stehen”, sagt der Migrationsforscher Klaus J. Bade von der Universität Osnabrück. In den kommenden Jahren werde die Zuwanderung von Ausländern nach Deutschland rückläufig sein, wogegen die Abwanderung weiter anziehen wird – und das auf allen Ebenen: vom Baustellenpolier bis zum Arzt.
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