Gesellschaft: Dürftig
März 2 2009 Categorized Under: Gesellschaft, TrendFokus No Commented
Situation
Ahaa, Alaaf und Helau. Alles Walzer, oder was? Ausverkauft trotz Krisengejammer waren nicht nur der Wiener Opernball und andere Bälle sowie viele Karnevals-Sitzungen.
Doch viele VIP-Stammgäste blieben weg, und von Garderobefrauen war zu hören: “Etliche Besucher sind früher gegangen und sagten, dass es dieses Mal nicht so toll war.”
Und viele junge Menschen amüsieren sich lieber ohne (Frack)-Zwang und (Karnevals)-Rituale. Sie empfinden Faschingsbräuche als unzeitgemäß, altmodisch und ermüdend langweilig.
Hintergrund
Topmanager der Bankenszene haben – wegen der Krise? – Ballbesuche eingeschränkt, wenn nicht ganz gemieden. Bei den Mitarbeitern, die um ihre Jobs fürchten und bei Kunden mit (Anlage)-Verlusten hätte es für Hummer und Champagner schlürfende Bosse in den Logen und auf Top-Plätzen wenig Verständnis gegeben. Statt Champagner also Prosecco.
Die Moderation auf vielen Bällen ist zwar souverän und charmant, aber sie folgt der ‘alten Schule’ und dauert – insbesondere auch bei den ‘Grußworten’ von Ehrengästen auf Bällen z. B. politischer Parteien – viel zu lang. Das empfinden ‘normale’ Besucher als lästig und zeitraubend.
Warum? Noch in den 1980er Jahren konnte man über alles reden, nur nicht über 90 Minuten. Das hat sich in den 1990er Jahren auf 45 Minuten reduziert. Heute lässt schon nach 15 bis 20 Minuten die Aufmerksamkeit des Publikums stark nach. Also: Keine Moderatorenmonologe. Infotainment ist in – der offene Dialog mit den Gästen.
Am Erfolg von Karnevals-Sitzungen knabbert der Humor von vorgestern und nagen die bekannten Witze früherer Tage. Dazu kommt die Gepflogenheit, einen Elferrat für die Dauer der Veranstaltung auf der Bühne zu sehen sowie Ein- und Ausmarsch von Büttenrednern, Tanzmariechen und Ballett mit Ahaa, Alaaf und Helau. Die traditionellen Ansagen und die Moderation der Sitzungspräsidenten und auch die Büttenreden dauern in der Regel ebenfalls zu lang.
Besser: Elferrat und Ehrensenatoren sitzen im Publikum. Knackige Moderation und nahtloser Übergang von Programmpunkten auf der Bühne ohne monotone Ein- und Ausmärsche.
Positivbeispiel 2009: Die Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst an Mario Adorf in Aachen. Vorteilhaft: Mehr festliches Outfit – Abendkleid, Frack, Smoking – statt herkömmlicher Kostümierung. Niveauvolle Reden.
Ausblick
Wie der Golfplatz sind exklusive Bälle und auch Karnevals-Sitzungen aber immer noch optimale Orte, um Kontakte zu pflegen und Geschäfte einzuleiten. Auch in schlechten und in Krisenzeiten sollten Manager und Unternehmer diese Möglichkeit nutzen.
Künftig müssen wohl mehr Schwung und frische Ideen in der Organisation von Bällen und (Faschings)-Veranstaltungen für positive Entwicklungen und damit für zufriedene Besucher und Gäste sorgen, damit sich Bälle und Karneval nicht auf das reduzieren, was heute immer und überall zu haben ist – auf Spaß.
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