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Gesellschaft: Nachhaltig

Mai 2 2009 Categorized Under: Gesellschaft, TrendFokus No Commented

Was ist?

Information braucht Entertainment.

Was kommt?

Globales Infotainment.

Moritaten

‘Informatiker des 17. bis 19. Jahrhunderts’, die Bänkelsänger, zogen mit ihren ‘Flipcharts’, d. h. mit Bildtafeln, von Marktplatz zu Marktplatz und verkündeten singenderweise Moritaten und Neuigkeiten: Infotainment der frühen Neuzeit.

Im 20. Jahrhundert finden wir Ähnliches in literarischer Form bei Wedekind, Ringelnatz, Brecht, Kästner und anderen.

Im 21. Jahrhundert konsumieren wir Infotainment im Fernsehen, in der (Marketing)-Kommunikation und im Internet.

Das Prinzip hat sich seit dem 30-jährigen Krieg kaum geändert. Nur: Wir hören und sehen nicht mehr nur passiv zu. Aktiv holen wir uns Information – und Unterhaltung – mit dem Zeigefinger per Mausklick oder mit dem Daumen per Handy oder Fernbedienung.

Genau so aktiv – und vor allem schnell – klicken wir aber auch auf den Button “ZURÜCK”, oder wir zappen zum nächsten Sender, wenn wir nicht aktuell und knackig informiert oder gut unterhalten werden.

Keiner spricht mehr miteinander!

Jede Information besteht aus vier Elementen. Und positive Ergebnisse aus und mit Informationen gibt es dann, wenn die folgenden vier Faktoren berücksichtigt sind.

Erstens Überlegung zum Sachinhalt: Wie ist der Sachverhalt zu verstehen?
Zweitens Erkenntnis aus Selbstoffenbarung: Information über den Nachrichten-Geber.
Drittens Verständigung in der Beziehung: Was der eine vom anderen hält, und wie sie zueinander stehen.
Viertens Appell zum Handeln: Die Einflussnahme auf den Empfänger, d. h. was er fühlen, denken, tun soll.

Information – lat. informatio – bedeutet Bildung bzw. Belehrung. Der Grad der Informiertheit entscheidet weitgehend über den Platz, den Menschen in unseren organisierten Strukturen innehaben.

Entscheidend dabei ist, dass wir Informationen aufnehmen, die sinnvoll und wichtig sind, und dass wir Unwichtiges ignorieren.

Aber die Menschen ertrinken in Informationsfluten und sehnen sich nach Kommunikationskultur. “Lauter Diskurse, Streitgespräche, Podiumsdiskussionen und Talkshows, aber keiner spricht mehr miteinander”, meint dazu der zeitkritische Autor Peter Maiwald.

Wie kommt der Fisch in die Stäbchen?

Fernsehen, Internet und Printmedien schütten Informationen als Dutzendware aus und nerven – mit Ausnahmen – meist mit geisttötender, langweiliger Werbung. Information, und dazu gehören auch Marketing-Kommunikation und Werbung, muss künftig noch mehr als bisher unterhalten.

In ‘Kommunikationsdesign’ schreibt Dr. Thomas Wirth über den Unterhaltungswert sprachlicher Welten so: “Informationen können nicht nur über die Befriedigung gehobener Bildungsinteressen, sondern auch über ganz alltägliche Neugier mit Nutzen aufgeladen und verkauft werden. Also nicht: ‘Die Entwicklungsabteilung der Stör und Tümmler KG setzt neue Maßstäbe in der ökologisch verträglichen Verwertung mariner Rohstoffe’ oder ‘Die klinische Forschung belegt erneut die vorbildliche Wirksamkeit der Zahnpflegeprodukte der Schmelz GmbH’, sondern: ‘Wie kommt der Fisch in die Stäbchen?’ und ‘Wie kommen die Streifen in die Zahnpasta?’”

Über den Aufmerksamkeits- und Unterhaltungswert visueller Welten weiß Dr. Wirth: “Das Seltenere ist das Wichtigere. Es gibt keine blauen Kakteen, deshalb hat das Bild eines blauen Kaktus einen höheren Aufmerksamkeitswert im Vergleich zu einem ganz gewöhnlichen grünen Exemplar … oder haben Sie schon einmal eine lila Kuh gesehen?”

Also: Blubb, hier werden Sie geholfen! Die harten Faktoren Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell müssen mit weichen Faktoren der Unterhaltung aufgeladen werden. Positivbespiele sind z. B. Nachrichten und Wetterberichte im privaten Fernsehen, die Gottschalk-Brüder in den Spots für die ‘Aktie Gelb’ und die Babies “O, Emilio”, in der Werbung für die Gelben Seiten.

Gewünschte Informationen

Die gewünschte Information – Angebote, Briefe, Broschüren, Kataloge, Produktbeschreibungen, Geschäftsberichte und dergl. – auch aus dem Internet zielt heute auf den  Aufbau von Beziehungen. Der Empfänger soll möglichst rasch Entscheidungen treffen.

Zukünftig geht es im B2B und B2C darum, die eigene schöpferische Kraft und kreatives Visualisieren des Empfängers anzusprechen, damit er im Einklang mit seinen Bedürfnissen und Wünschen aus minimalistischer (z. B. E-Mail und Internet) sowie aus kurzweiliger Information (z. B. Nachrichten, Wetter, Verkehrslage) eigene, neue Lösungsansätze findet. Der Nachrichtenempfänger will beteiligt sein, will mitwirken.

Nicht gewünschte Informationen

Die nicht gewünschte Information – Anzeigen, Hörfunk- und Fernsehwerbung, Internet-Banner und dergl. – zielt heute auf rasches Verständnis beim Empfänger, auf den schnellen Kauf – billig, superbillig, saubillig. 2001 und vorher, im Zeitalter von Massentierhaltung, Tiermehl, BSE und Schweinedoping, häufig ohne ethische und moralische Werte zu beachten.

Zukünftig geht es vor allem im B2C darum, sich von überholten Denkmodellen und Routinestrategien zu trennen und Platz zu schaffen für Neues. Leo A. Nefiodow, Vordenker der Informationsgesellschaft, sieht im Rahmen der Kondratjew-Zyklen ab 2010 den Zyklus der psycho-sozialen Gesundheit kommen. Ethische und moralische Werte gewinnen nicht nur auf nationaler Ebene an Bedeutung. Marketing-Kommunikation und Werbung brauchen deshalb europa- und weltweit ein besseres, auch unterhaltsames Klima – Infotainment – in dem (Kauf)-Entscheidungen gedeihen können.

Fazit

Jeder wirtschaftliche Zyklus befriedigt lt. Nefiodow auch einen Bedarf der Gesellschaft: “Im fünften, im jetzigen (Kondratjew-Zyklus), spielt der gesellschaftliche Bedarf nach effizientem Umgang mit Information und Wissen die zentrale Rolle.” Nefiodow ist der Überzeugung, “dass der nächste Innovationsschub im wesentlichen davon abhängt, dass wir künftig die weichen Faktoren besser nutzen.” Damit meint er Kompetenzen im Umgang mit Menschen, Kreativität, Motivation und Verantwortungsgefühl.

Der nächste Kondratjew-Zyklus ist geprägt vom Bedarf nach sozialer Kompetenz, nach soft skills.

Die weichen Faktoren allein bringen aber noch kein Geld. Auch in Zukunft müssen wir etwas anbieten, verkaufen und Geld dafür kriegen. Das geht nicht mehr nur ausschließlich mit hard skills.

Obwohl sich mit der Zeit veränderte Kaufgewohnheiten entwickeln, lässt sich die Mehrzahl der Konsumenten immer noch vom down-pricing der Anbieter blenden. Metzger bieten Anfang 2001 Rindfleisch-Lagerware aus dem Vorjahr 30 % billiger an. BSE hin, Verantwortungsgefühl her. Die Kühlhäuser sind im Handumdrehen geräumt.

Die Informationen, die wir geben müssen, um etwas Gutes zum vernünftigen Preis verkaufen zu können, sind in Zukunft Appelle an das Verantwortungsgefühl der Menschen und Infotainment:

Information + Entertainment = Infotainment.

KONTAKT: Karl Heinz W. Smola
TELEFON: 0911-694269
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