Wirtschaft: Marketing-Trends und Lebenswelt
März 3 2006 Categorized Under: TrendFokus, Wirtschaft No Commented
Marketing-Trends und Lebenswelten
“Masse oder Klasse heißen die Konsumtrends. Die Mitte bricht weg.” Das prognostiziere ich bereits Mitte der 1990er Jahre.
Schön, wenn 10 Jahre später auch Karstadt diesem (Marketing)-Trend folgt und 13 seiner 90 Filialen zu ‘Premium-Häusern’ wie das KaDeWe in Berlin ausbaut.
Dr. Wolfgang Mayer in den NN vom 17. Februar 2006: “Damit reagiert der Konzern auf die Polarisierung im deutschen Einzelhandel, wobei sowohl Billiganbieter als auch Edelmarken florieren, während mittlere Qualitäten – wie sie klassisch in Warenhäusern angeboten werden – Marktanteile verlieren.”
Im Juli 2004 lesen Sie im TrendFokus: “Das traditionelle Citywarenhaus verliert weiter Kundschaft, die Fachhandelstreue lässt gegenüber früher nach. Auf der Gewinnerstraße sind Convenience, Komfort- und Erlebniseinkauf, Heimshopping per HSE und Internet, gefolgt von Facheinzelhandel, factory outlets und Neue Tante Emma. Erlebniseinkauf á la Oberhausen und factory outlets ziehen vor allem den 1.b-Lagen der Stadtzentren Kunden ab. Der Einzelhandel malt das Gespenst der City-Verödung an die Wand, übersieht dabei aber die Chance, sich selbst gewinnbringend in solchen ‘outbacks’ einzumieten.”
Und viele Hersteller, Händler und Dienstleister übersehen (noch) die sieben essentiellen Marketing-Trends, die 2006 und in den Folgejahren den Unternehmenserfolg bestimmen:
1. schlicht, puristisch
2. echt, natürlich
3. restaurierend, (neo)-retrospektiv
4. traditionell, überliefert
5. unterhaltsam, witzig
6. gemeinschaftlich, universal
7. knallig, schrill.
Jede der zehn milieuspezifischen Lebenswelten (Quelle: SINUS – © SMOLA 1998/2001) reagiert individuell auf diese (Marketing)-Trends:
1. Konservativ-technokratisch . Erfolgsorientierte Konsumelite mit hohem Anspruch auf Exklusivität.
2. Liberal-intellektuell . Mit ihren Wertvorstellungen stellen sie die aufgeklärte, postmateriell-orientierte Avantgarde.
3. Postmodern . Extrem individualistische und multi-optionale Avantgarde in Sachen Lifestyle.
4. Kleinbürgerlich . Sicherheits- und Status-quo-orientierte Generation, die an traditionellen Werten festhält.
5. Traditionelle Arbeiter . Kultur der Eckkneipen, Kleintierzüchtervereine. Das Leben richtet sich nach den Notwendigkeiten.
6. Aufstiegsorientiert . Beruflich und sozial aufstrebende, untere Mittelschicht mit stetem Blick auf die Erfolgsinsignien der Konsumgesellschaft.
7. Moderne Arbeitnehmer . Gut ausgebildeter, mobiler und pragmatischer Mainstream der jungen Freizeitkultur.
8. Moderne Bürgerliche . Konventionelle neue Mittelschicht; strebt nach gesicherten Verhältnissen.
9. Traditionslose Arbeiter . Konsumgeprägte Unterschicht, in der sich soziale Benachteiligungen häufen.
10. Hedonisten . Junge Unterschicht, die Spaß haben will und sich der Leistungsgesellschaft verweigert.
Das Ansprechen und Erreichen solcher spezifischer Zielgruppen mit adäquaten Marketing- und Werbemaßnahmen ist für Hersteller, Händler und Dienstleister (über)-lebenswichtig.

