Wissen: Demografischer Wandel und Ärztemangel
Juli 1 2010 Categorized Under: TrendFokus, Wissen No Commented
Situation
Schon der TrendFokus März 2008 weiß: “Die Spitze der Alterspyramide wird immer breiter. Alle werden wir älter. Deutschland, Österreich und die Schweiz werden zu Seniorenresidenzen. Heute schon sind wir die älteste Gesellschaft, die jemals gelebt hat. Doch wir sind erst halb so alt, wie wir 2030 sein werden.”
Und schon heute gibt es für die steigende Zahl der Alten in Deutschland zu wenig (besonders) junge Ärzte. Durch den demografischen Wandel wird sich die Situation noch weiter verschlimmern. Für immer mehr Senioren ist die Notwendigkeit medizinischer Betreuung groß.
Hintergrund
Jedes Jahr sind etwa 8.000 Ärzte nötig, um den Bedarf zu decken. Nach Angaben der Bundesärztekammer (BÄK) wird es in Deutschland in den nächsten Jahren aber in vielen Gebieten zu einem Ärztemangel kommen. In Ostdeutschland, z. B. in Brandenburg, herrscht jetzt schon Ärztemangel, der sich künftig noch verstärken wird. Brandenburg wirbt aktuell Ärzte aus Österreich und Osteuropa an.
Die Medien berichten mit Bezug auf Berechnungen des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen, dass jeder (Arzt)-Praxisinhaber 2010 einen Reinertrag von im Schnitt 164.000,00 Euro haben wird. Das seien 15 Prozent mehr als 2007 und sogar 30 Prozent mehr als 2003. Die Bruttoverdienste von Arbeitnehmern seien in dieser Zeit nur um rund fünf Prozent auf etwas mehr als 27.500,00 Euro gestiegen. (Reinertrag der Ärzte vergleichbar mit dem Bruttogehalt von Arbeitnehmern).
Die Mediziner müssen aber auch noch Steuern zahlen sowie Beiträge für die Altersvorsorge und die Krankenversicherung. Also: Bei 50 Prozent Steuern bleiben von den 164.000,00 Euro noch 82.000,00. Abzüglich Mindestsatz von 14.000,00 für die Altersvorsorge bleiben noch 68.000,00 und minus 5.000,00 Euro für die Krankenversicherung bleiben noch 63.000,00 Euro.
63.000,00 : 12 (Monate) = 5.250,00 Euro/Monat.
65 Arbeitsstunden pro Woche mal vier sind 260 Stunden im Monat. 5.250,00 Euro/Monat : 260 = rund 20,20 Euro/Stunde.
Wie sind die ‘medialen’ 30 Prozent mehr Reinertrag im Vergleich zu 2003 bei einem Stundenlohn von etwa 20,00 Euro zu werten?
Ausblick
Der Arztberuf erscheint vielen Studenten nicht mehr attraktiv genug, zu viel Bürokratie, lange Arbeitszeiten und ein im Vergleich mit einigen europäischen Ländern niedriges Gehalt tragen nicht unbedingt dazu bei, junge Menschen zum Arztberuf zu bewegen.
Wahrscheinlichkeiten künftigen Ärztemangels auf einer Skala von 10 sehr gering bis 90 sehr groß:
45 . 2010
65 . 2015
70 . 2020
65 . 2025
Der Ärztemangel kann sich vom Wert 45 in 2010 bis 2020 deutlich auf den Wert von 70 verstärken und pendelt sich dann bis 2025 möglicherweise wieder auf das Niveau von 2015 ein.
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