Wissen: Die Deutschen werden immer dümme
April 3 2006 Categorized Under: TrendFokus, Wissen No Commented
Die Deutschen werden immer dümmer
“Die Deutschen werden immer dümmer!” konstatiert der Intelligenzforscher Siegfried Lehrl von der Uni Erlangen/Nürnberg. Seit den 1917 erstmals durchgeführten IQ-Tests (IQ = Intelligenz-Quotient) verbesserten sich die Deutschen um rund drei IQ-Punkte pro Jahrzehnt.
Ende der 1990er Jahre ist Schluss damit. “Seit 1999 sinkt die Intelligenz unserer Gesellschaft kontinuierlich”, stellt Lehrl, Intelligenz-, Gedächtnis und Demenzforscher, fest. Die geistigen Fähigkeiten von Schülern – das haben Intelligenztests ergeben – erreichen nicht mehr die der Jahrgänge vor 1999.
Lehrl unterscheidet zwischen ‘fluider’ und ‘kristalliner’ Intelligenz. Bei der fluiden Intelligenz geht es um das Kombinationsvermögen und bei der kristallinen Intelligenz um das Wissen, über das ein Mensch verfügt. Die meisten Menschen erreichen das Maximum der fluiden Intelligenz im Alter von 16 Jahren, und das der kristallinen Intelligenz mit etwa 24 Jahren.
Nationen, die sich um die Intelligenz ihrer Bevölkerung bemühen, haben die besseren wirtschaftlichen Wachstumsraten, und das bedeutet: hohe Intelligenz fördert den Wohlstand, niedrige bringt nur geringes Einkommen. Positivbeispiele sind Hongkong, Singapur, Taiwan, Japan und auch Kanada. In den USA dagegen ist ein Intelligenzrückgang zu verzeichnen. Da sind bei Tests sogar kulturell benachteiligte Sioux-Indianer besser als die ‘Weißen’.
Holland und die skandinavischen Länder, gefolgt von Deutschland und Italien sind die ‘intelligentesten’ Staaten Europas. Globales Schlusslicht ist Afrika mit einem um ein Viertel niedrigeren IQ.
Im weltweiten Vergleich steht Deutschland also gar nicht so schlecht da. Der Herr Lehrl schränkt das aber ein: “Es geht uns etwas besser, als die Intelligenz vermuten ließe.” Weil Deutschland aber kaum über Rohstoffe wie Bodenschätze und (Erd)-Öl verfügt, kommt es darauf an, ‘was die Leute im Kopf haben’. Aber Intelligenz ist in Deutschland sehr unterschiedlich verteilt. Der Norden und der Westen fallen ab. In Nordrhein-Westfalen gebe es keine überdurchschnittliche Intelligenz, so Siegfried Lehrl. Am besten schneiden ab: in Baden-Württemberg der Suttgarter Raum, in Bayern der Süden und die Oberpfalz und in Sachsen die Chemnitzer Gegend.
Erstaunliche Feststellungen: Je höher der IQ einer Region, desto geringer die Arbeitslosigkeit. Die Abiturientenrate tauge nicht dazu, die Intelligenz anzuheben. Bremen habe die meisten Abiturienten, aber eine sehr hohe Arbeitslosigkeit. Ein regional gut verbreiteter IQ dagegen verbessere das Arbeits- und Stimmungsklima, das Ausbildungsniveau, und er schafft anspruchsvolle Arbeitsplätze.
Warum gibt es in Deutschland einen Intelligenzschwund? “Unsere Hochintelligenten fallen nicht ab”, sagt Lehrl. “Aber weniger Intelligente in den unteren sozialen Schichten fallen stark ab, womöglich bis zum Erhaltungsminimum… Wir erleben, wie sich unsere Gesellschaft immer mehr spreizt. Die Abfallenden ziehen alle mit nach unten.”
In Ländern mit überdurchschnittlichen Ergebnissen bei IQ-Tests kränkeln Bildungs- und Gesundheitssysteme nicht so wie in Deutschland. Das hat zur Folge, dass sich die Potenziale junger Deutscher kaum positiv entfalten können. Elternhaus, Arbeitswelt und Politik liefern zu wenig Anregungungen. Viele Junge werden ihre von Haus aus vorhandenen Möglichkeiten nie ausschöpfen können. Das wird, so Lehrl, in absehbarer Zeit auch den Lebensstandard senken.
Weitere Gründe für diese Entwicklung sieht Lehrl im Verschwenden enormer Energien bei der Fixierung auf Computer, Gameboy und Handy, und er sieht das als eine Unkultur. “Wer zu oft vor dem Fernseher sitzt, verliert den Blick in die Zukunft”, so Lehrl. “Viele Kinderzimmer sind Müllplätze, volll mit vorgefertigtem Spielzeug. Da wird die Lust, zu probieren, zu gestalten, schon im jüngsten Alter erstickt. Die Kinder werden zappelig und unkonzentriert.”
Lisa Fitz forscht in ihrem neuen Tour-Programm ebenfalls nach dem geistigen Zustand Deutschlands, das zwischen Hartz-IV, Eurotrauma und Wespenplage oszilliert. Die Kabarettistin stellt fest: “Deutschland ist gefangen im Dschungel der downgeloadeten Handyklingeltöne und TV-Tussengebabbel.”
Europa vernichtet sich selbst – ? Die Deutschen werden immer dümmer – ?
Fazit
Wahrscheinlichkeiten künftiger Entwicklungen des Intelligenzschwundes in Deutschland auf einer Skala von 10 sehr gering bis 90 sehr stark:
65 . Norddeutschland
55 . Westdeutschland
65 . Ostdeutschland
35 . Süddeutschland
Die Feststellungen des Herrn Siegfried Lehrl scheinen auch für die Zukunft zu gelten. In Nord-, West- und Ostdeutschland ist demnach kaum mit überdurchschnittlicher Intelligenz zu rechnen. Die Wahrscheinlichkeit des geringsten Intelligenzschwundes ist für Süddeutschland anzunehmen.

